Editorial - Was ist Macht?

Was ist das eigentlich, Macht? Ist sie böse, bedrohlich, unterwerfend? Oder vermag sie nicht vielmehr, alles Mögliche wirklich werden zu lassen? Ist Macht ohne Religion überhaupt zu erklären und wer hat Macht in diesem Land? Politik, Porsche oder SAP? Ärzte, Piloten oder die Mütter? Sind es Drogen, Alkohol und Nahrung? Bildung, Netzwerke, Potenzial? Egal, was es auch sein mag – Macht hat, wer kann. Wer nicht kann, ist ohnmächtig.

Macht ist neben Nahrung und Sex wohl der einzig ewig währende Motor der Menschheit. Schon der Höhlenmensch wollte in erster Linie fressen, ficken und beherrschen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Biblisch gesehen war die Macht vor allem da und Gott hatte die Allmacht, diese Welt zu erschaffen. Aus Machtstreben – oder aus Liebe – wurden schon die großen Kriege der Geschichte geführt. Monarchien konzentrierten Macht, in der Frühen Neuzeit wurde erstmalig auch die Kunst ein Machtwerkzeug. Musik, Literatur, Bildende Kunst und vor allem Propaganda – all das diente als Instrument der Herrschaftssicherung. Schauspiel, Theater und Oper hatten schon immer die Macht, Menschen zu begeistern, zu entsetzen, aufzurütteln oder zu verwirren.

Macht kann auch den eigenen Körper betreffen. Die Kontrolle sein, mein Leben so zu führen, wie ich es mir wünsche.

Macht muss in der Gesellschaft nicht einmal faktisch existieren, sie muss nur anerkannt sein. Als Konstrukt, Gerüst oder Wertesystem, auf das sich bestimmte gesellschaftliche Schichten einigen. Wir finden Macht überall dort, wo Kommunikation herrscht – also überall. Die Eltern haben Macht über ihr Kind, das Kind aber genauso über seine Eltern. Ein Herrscher hat Macht über sein Volk, das Volk im Falle eines Aufstands über seinen Herrscher.

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Die Stimme hat Macht, das Wort sowieso, Gefühle, ausgesprochen oder nicht, sind so mächtig, dass sie den Gegenüber völlig macht- und bewegungslos zurücklassen. Aber ist es tatsächlich schon Macht, dass ich mich entscheiden kann, welche Zahnpasta ich kaufe? Oder fängt sie erst dort an, wo ich für jemanden anderen entscheide, welche Zahnpasta er kauft? Ist Macht notwendiger Weise mit Geld verbunden – oder funktioniert dieses bloß als Katalysator? Müssen mich wirklich viele Leute kennen, damit ich mich mächtig wähnen darf?

Ist Glaube mächtiger als Liebe? Wer entscheidet über Kriege? Wie mächtig ist Humor? Und kann ein Lächeln das Angesicht des sicheren Todes mildern? Was macht mein Auto, wenn ich ohne es herumfahre? Ist sieben eigentlich viel? Und warum kann Obelix, nur weil er einmal in diesen Zaubertranktopf gefallen ist, sein Leben lang dieses Kraftelixir speichern?

Bestimmt die Einrichtung eines Hauses meine Stimmung? Habe ich wirklich alles in meiner Macht Stehende getan, um glücklich zu sein? Macht es Spaß, sich zu unterwerfen? Wie mächtig sind eigentlich die Medien? Macht Macht ewig? Und welche Wörter definieren für mich Macht?

Einfluss, Überlegenheit, Manipulation?
Gehorchen, sich unterordnen, ertragen?
Wollen, wachsen, können?
Glaube, Liebe, Hoffnung?

Diese eine Antwort auf die Ausgangsfrage, was denn nun Macht eigentlich ist, haben wir nicht gefunden. Aber viele. Macht ist irgendwie überall und alles. Das ist uns während dieses Projekts klar geworden. Daher ist die machtmaschine auch ein derartiger Spielplatz, auf dem Sie sich austoben können – und sollen! Wir freuen uns, wenn Sie mit uns spielen.