Die Kunst, Intrigen zu spinnen

Detlev Liepmann, Psychologie-Professor an der Freien Universität Berlin, erklärt, warum unsere Top-Manager gar nicht so mächtig sind und warum die Intrige heute eines der wichtigsten Instrumente der Macht ist.

Professor Detlev Liepmann weiß, warum es so viele Intrigen unter den Mächtigen dieser Welt gibt
Professor Detlev Liepmann weiß, warum es so viele Intrigen unter den Mächtigen dieser Welt gibt
machtmaschine: Herr Professor, wie hat sich das Verständnis von Macht verändert?

Detlev Liepmann: In den letzten 100 Jahren sind vor allem die Hierarchien anders geworden. Man tauscht heute Informationen ganz anders aus: Ich an der Spitze bin darauf angewiesen, dass ich Informationen von meinen Mitarbeitern bekomme. Macht bekommt dadurch eine andere Qualität.

Ersetzen heute informelle Machtstrukturen die alte Machtverteilung zwischen oBoss und Untergebenem?

Ja, das kann man so sagen. Die Hierarchien in den Organisationen werden immer flacher, die Kommunikationswege werden dadurch kürzer und effektiver. Der Informationsfluss läuft nicht mehr nur von oben nach unten.

Die Manager haben also gar nicht das Sagen?

Nicht alleine, nein. Auch deshalb, weil heute bei Betrieben und Organisationen Machtfaktoren von außen hinzukommen, die früher weit weniger Bedeutung hatten. Stakeholder, Aktionäre oder die berühmten oHeuschrecken. Die sind gar nicht Teil der internen Machtstruktur, können aber trotzdem massiv Einfluss nehmen. Eine ganz andere Macht von außen ist die des Kunden. In unserer aktuellen Automobilkrise ist das schön zu beobachten: Der Kunde kauft nicht und hat dadurch Macht über das Unternehmen. Das Schwierige an der Macht von außen ist, dass sie für die Unternehmen kaum kontrollierbar und prognostizierbar ist.

Ist in der Politik die Kunst der Kommunikation die wichtigste Macht?

Wie und vor allem mit wem man kommuniziert, ist heute das Wichtigste. Man hat dadurch die Macht, Informationen so zu streuen, dass sie auch wirken und keiner mehr weiß, woher die Information eigentlich kam. Ich brauche dafür Verteiler, Multiplikatoren, Meinungsführer, die in einem bestimmten sozialen Umfeld meine Information verbreiten.

Wenn nun informelle Machtstrukturen und die Kunst der Kommunikation heute wichtiger sind als früher, ist dann auch die Intrige heute als Machtinstrument wichtiger?

Ja, das ist sicher so. Früher bin ich aufgrund meiner Position, meiner hierarchischen Ebene mächtig gewesen. Da konnte kommen, was wollte - ich war der Boss. Heutzutage muss ich mir Macht innerhalb eines Netzwerkes teilen, bin mehr auf andere angewiesen. Ich muss also immer dafür sorgen, dass mein Netzwerk in meinem Sinne funktioniert. Die Intrige ist dafür ein wichtiges Werkzeug.



Christina Brüning    25. November 2008

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