Deutschland vertraut auf Obama
Er ist persönlicher Berater von Angela Merkel in Wirtschaftsfragen und Staatssekratär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Auf machtmaschine erzählt Bernd Pfaffenbach, warum Indien und China mehr politische Verantwortung brauchen, und überlegt, wie die Weltordnung im Jahr 2030 aussehen könnte.
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| Staatssekretär Bernd Pfaffenbach ist persönlicher Berater der Bundeskanzlerin |
Die Gewichte der Welt verändern sich gerade dramatisch. Die Schwellenländer bekommen immer mehr Einfluss. Wie begegnen Sie dieser Machtverschiebung?Bernd Pfaffenbach: Wichtig ist, dass unsere Unternehmen die sich bietenden Chancen in den Schwellenländern nutzen. Gerade in den Schlüsselbranchen der deutschen Wirtschaft, also etwa
Anlagen- und Maschinenbau, in der Chemie, aber natürlich auch im Fahrzeugbau bieten die Schwellenländer mit ihren Wachstumspotentialen große Chancen. Unsere Technologien werden auch im Umweltsektor von zentraler Bedeutung sein, damit das Wachstum nachhaltig ist und nicht dauerhaft zulasten kommender Generationen geht. Gleichzeitig kommt es nach meiner Sicht darauf an, den Wirtschaftsbeziehungen auch einen tragfähigen politischen Rahmen zu geben. Daran arbeiten wir in unseren bilateralen Beziehungen zu Ländern wie Brasilien, China und Indien. Es zeigt sich aber zunehmend auch, dass die Zusammenarbeit in den internationalen Organisationen und bei den informelleren Formen der Zusammenarbeit verändert werden muss. Insofern ist es auch völlig richtig, dass der Weltfinanzgipfel im November 2008 im Kreis der G20 und nicht nur im Kreis der G7 stattgefunden hat.
Was können Deutschland und die EU tun, um einen Machtverlust zu vermeiden?Wir können meines Erachtens nicht begrüßen, dass die Schwellenländer eine zunehmende Rolle für die Weltkonjunktur spielen, und unsere Wirtschaft auf diese Chancen ausrichten, dann aber gleichzeitig beklagen, dass die Schwellenländer auch größere Mitspracherechte beanspruchen. Bei allen globalen Problemlösungen in der Weltwirtschaft, in der Umweltpolitik, aber auch in der Entwicklungspolitik brauchen wir die Mitwirkung von Ländern wie Brasilien, China und Indien. Ich würde daher nicht so sehr von unserem Machtverlust sprechen, als vielmehr davon, wie die Strukturen einer zunehmend multipolaren Weltordnung aussehen müssen. Nicht zuletzt Deutschland und die Bundeskanzlerin haben im Rahmen der deutschen G8-Präsidentschaft 2007 dazu einen wichtigen Anstoß gegeben. Wir haben beim G8-Gipfel den
Heiligendamm-Prozess initiiert. Die G8-Staaten befinden sich seit 2007 in einem engen Austausch mit den wichtigsten Schwellenländern zu zentralen Fragen der Weltwirtschaft, also mit Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika. Man trifft sich mittlerweile nicht nur beim G8-Gipfel mit zusätzlichen Gästen, sondern verstärkt die Zusammenarbeit. Ich glaube, das ist eine Richtung, in die wir weitergehen müssen. Um auf Ihre Ausgangsfrage zurückzukommen: Wir haben es selbst in der Hand, die globalen Beziehungen mitzugestalten.
Wie wird die Weltordnung im Jahr 2030 aussehen?Sicher wird es zu weiteren Veränderungen kommen. Derzeitig befinden wir uns in einer Übergangsphase. Wenn Sie nach den Schwellenländern fragen, muss man sich stets vor Augen halten, dass diese Staaten, allein was das Pro-Kopf-Einkommen oder auch die Armutsprobleme angeht, immer noch Entwicklungsländer sind. Das vergessen wir oft, da ihre Wirtschaftsleistung insgesamt von wachsendem Gewicht ist. Es kann aber kein Zweifel daran bestehen, dass Länder wie China und Indien immer bedeutsamer werden und dass sie in den internationalen Beziehungen mehr Verantwortung übernehmen müssen. Gleichzeitig meine ich, dass die Industriestaaten unverändert eine Leitfunktion behalten werden, vor allem die USA. Ich messe den transatlantischen Beziehungen nach wie vor große Bedeutung zu. Der kommende Präsident Obama wird zweifellos entscheidenden Einfluss auf die Weiterentwicklung der internationalen Strukturen haben, sei es mit Blick auf die Weiterentwicklung der G8, der G20 oder auch der Vereinten Nationen. Wie die Welt im Jahr 2030 aussieht, lässt sich heute nicht im Detail sagen, aber ich gehe von einer multipolaren Ausrichtung aus.
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